Neue Boote für die DLRG statt für die Feuerwehr?

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Innenexperte Oetjen und Kreis-FDP informieren sich bei DLRG

Rehburg-Loccum · Wie können Wasserrettung und Katastrophenschutz im Landkreis Nienburg verbessert werden? Diese und andere Fragen versuchte jetzt eine Besuchergruppe um den FDP-Innenexperten Jan-Christoph Oetjen MdL (Sottrum/ROW) im Dialog mit der DLRG in Rehburg-Loccum zu beantworten.

DLRG-Bezirksvorsitzender Holger Barg (Uchte) und sein Vize Kai Hauser (Rehburg) sowie weitere aktive Mitglieder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft machten zu Beginn des Gesprächs deutlich, dass die „Verhinderung des Todes durch Ertrinken“ die allererste Aufgabe des Vereins sei. „Eine hohe Bedeutung hat dabei die Prävention“, so Hauser, „deshalb engagieren wir uns auch so stark in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen“. Ein weiterer Schwerpunkt der DLRG, gerade auch des Ortsverbandes Rehburg-Loccum, sei die Wasserrettung mit entsprechendem Gerät. „Äußerst hilfreich ist“, so Hauser, „dass wir ausgebildete KFZ-Mechaniker und andere Handwerker in unseren Reihen haben, die unseren buntzusammengewürfelten Fuhrpark am Laufen halten.“ Ohne die entsprechen Fähigkeiten wäre beispielsweise der Erhalt des Ex-Bundeswehr VW Iltis mit Baujahr 1978 undenkbar. Bei den von der Rehburg-Loccumer DLRG genutzten Räumlichkeiten, das alte Feuerwehr-Gerätehaus und eine Scheune des Bauhofes am Rathaus, sei man allerdings an der Grenze des Möglichen. Hier müsse in naher Zukunft etwas passieren.

Offiziell ist die DLRG mit der Durchführung des Wasserrettungsdienstes (WRD) im Landkreis Nienburg beauftragt. Dies wird durch zwei Schnelle-Einsatzgruppen-Wasserrettung in Nienburg und Rehburg-Loccum, sowie einen weiteren Tauchtrupp der Ortsgruppe Uchte gewährleistet. Mit den etwa 1.600 EUR jährlichen Zuschuss vom Landkreis könne man die laufenden Kosten jedoch bei weitem nicht decken, weswegen man auf Spenden angewiesen sei. In der Vergangenheit sei man überdies im Bereich Katastrophenschutz (KatS) und spezielle Lagen, wie einem MANV („Massenanfall an Verletzten“), eingebunden gewesen. Wie dies in Zukunft gehandhabt werden soll, sei derzeit in Teilen noch offen. Der vom DLRG Bezirk Nienburg betriebene Wasserrettungszug (WRZ), der die einzelnen Fahrzeuge, Boote und Spezialgerät umfasst, ist im Katastrophenschutz des Landkreises Nienburg / Weser fest eingebunden. Ein Trupp ist überdies fester Bestandteil des Landeseinsatzzuges Süd des DLRG Landesverbandes Niedersachsen. Der Landesverband der DLRG wurde jüngst vom Land Niedersachsen mit einem „Betreuungsplatz 500“ ausgestattet. „Die Übergabe der Fahrzeuge und des Materials an die verschiedenen Hilfsorganisationen war auf jeden Fall sehr medienwirksam“, so der Landtagsabgeordnete Jan-Christoph Oetjen, „ob das Konzept so aufgeht, wird sich erst noch zeigen müssen.“ Auch die DLRG hätte sich praktikablere Lösungen gewünscht, „Wechsellader mit einer deutlich größeren Transportkapazität statt der zur Verfügung gestellten 7,5-Tonner wären angesichts des umfangreichen Materials sinnvoll gewesen“, so Hauser.

Jörg Hille (Oyle), Vorsitzender der Nienburger FDP-Kreistagsfraktion, der das Gespräch zwischen Ehrenamtlichen und Landtagsabgeordneten organisiert hatte, sprach auch die Beschaffung neuer Boote für die Einsätze auf der Weser an. „Wichtig ist mir ganz persönlich zu erfahren, wie die DLRG beim Ausbau der Wasserrettung im Landkreis eingebunden werden sollte“, so Hille, der Mitglied des zuständigen Fachausschusses für Brandschutz und Rettungswesen ist. „Wenn wir mit der DLRG eine fachlich versierte und organisatorisch gut aufgestellte Organisation haben, die sich über Jahre bewährt hat“, so Hille, „muss man sich fragen, warum es im Kreis Diskussionen darüber gibt im großen Stil Feuerwehrboote anzuschaffen. Pragmatischer ist es aus meiner Sicht, wenn die DLRG vom Kreis mit entsprechenden Booten ausgestattet wird.“ Diese Meinung begrüßten auch die DLRG-Vertreter. Zusammen mit der Verwaltung und der Kreisfeuerwehr sollen weitere Gespräche in dieser Angelegenheit stattfinden. Denkbar wäre auch, dass die DLRG mit ihren 1.600 Mitgliedern im Kreis auch einen Sitz im Fachausschuss bekommen könnte, so wie andere Organisationen auch.

FDP-Kreis-Chef Heiner Werner (Nienburg) und dem Bundestagskandidaten Grigorios Aggelidis (Neustadt), der auch an diesem Gespräch teilnahm, war auch wichtig, dass die Kinder im Landkreis Nienburg schwimmen lernen. „Alle Kinder bis zur 4. Klasse sollen schwimmen können“, so Werner, „das steht im Kerncurriculum für die Schulen und das sollten wir auch umsetzen.“ „Wir sollten die Bäder erhalten und nicht schließen“, merkte Kay Anders, Vorsitzender des DLRG Ortsverbandes Rehburg-Loccum an, „die Entwicklung geht derzeit mit Volldampf in die falsche Richtung“. Die Diskussion über die Bäder im Flecken Steyerberg sei alarmierend. „Möglicherweise können wir im Bereich der Sportstättenförderung ansetzen“, so Werner, „alle politischen Ebenen müssen dabei mit ins Boot“.